Projektreise nach Ruanda
Ankommen in Kigali – Willkommen zu Hause
Schon am ersten Abend in Kigali wurde spürbar, was diese Reise prägen sollte: Herzlichkeit. Am Flughafen abgeholt und direkt ins Restaurant - dort trafen wir auf immer mehr bekannte Gesichter der Gorillas – Freund*innen, Wegbegleiter, Partner. Es wurde gelacht, erzählt, umarmt und die nächsten Tage geplant.
So weit weg von der Heimat – und doch ein bisschen wie zu Hause.
Mwendo – Von der Vision zur lebendigen Realität
Gemeinsam mit Bernard und dem Team der Gorillas reisten wir nach Mwendo. Dort wurden wir von der Schulleitung, Lehrerinnen, Eltern und vielen Schülerinnen empfangen.
Arne war mit der 1.Männer des FC St. Pauli Handball 2017 zum ersten Mal hier. Damals gab es viel Staub, improvisierte Spielflächen aus Erde, Pflastersteinen und Tore aus Holzstämmen ohne Netze. Große Begeisterung – aber kaum Infrastruktur.
Heute hat sich das Bild deutlich verändert.
Ein Brunnen versorgt die Schule und die Community mit Wasser.
Das Mädchenhaus wird sehr regelmäßig und intensiv genutzt.
Und seit 2025 gibt es einen modernen Sportplatz mit festen Toren, Basketballkörben, Volleyballnetz und Beleuchtung.
Was uns besonders bewegt hat: Der Platz lebt. Kinder spielen, andere schauen zu, es wird gelacht, angefeuert, diskutiert. Der Sportplatz ist kein Bauprojekt mehr – er ist Teil des Alltags geworden.
Die Schule hat nach Fertigstellung des Platzes sogar eine neue Lehrerstelle für einen ausgebildeten Sportlehrer erhalten, um die Nutzung professionell zu begleiten. Dieser Schritt erfüllt uns mit großem Stolz. Es zeigt: Nachhaltigkeit entsteht, wenn Infrastruktur Verantwortung und Struktur nach sich zieht.
Mwendo ist ein Ort, an dem sichtbar wird, was langfristige Partnerschaft bewirken kann.
Muyange – Ein Raum, der Leben verändert
Der Besuch des Mädchenhauses in Muyange war einer der emotionalsten Momente unserer Reise.
An einem Sonntagnachmittag wurden wir von der Schulleitung, der zuständigen Kollegin und Eltern empfangen. Begleitet von Bernard und Alfred spürten wir sofort, welche Bedeutung dieser Raum inzwischen hat.
Das Mädchenhaus wird täglich mehrfach genutzt. Das ursprüngliche Ziel – dass Mädchen während ihrer Periode weiterhin zur Schule gehen können – ist erreicht.
Doch die Wirkung geht darüber hinaus:
Viele Mädchen fühlen sich in der Schule inzwischen besser versorgt und aufgehoben als zu Hause. Bei Beschwerden oder Fragen kommen sie bewusst in diesen geschützten Raum. Bildung, soziale Kontakte und auch Sport bleiben ihnen erhalten.
Andere Schulen aus verschiedenen Regionen Ruandas besuchen Muyange inzwischen, um sich das Konzept zeigen zu lassen. Besonders deutlich wurde uns hier, wie wertvoll der begleitende Einführungs-Workshop von OSO war. Infrastruktur allein reicht nicht – Wissen und Sensibilisierung machen sie wirksam.
Dieser Besuch war beeindruckend, bewegend und voller Hoffnung.
Nyamagabe – Ein erster Blick, viele Möglichkeiten
Zum ersten Mal führte uns die Reise nach Nyamagabe, eine ländliche Region im Südwesten Ruandas.
Auch hier ein herzlicher Empfang – trotz Sonntag. Die Schulleitung, Kolleginnen und einige Schüler*innen zeigten uns offen ihre Schule und das Gelände.
Die Wasserversorgung ist dank eines Brunnens gesichert. Der Mädchenraum jedoch ist sehr provisorisch und wird entsprechend wenig genutzt. Einen Sportplatz gibt es in der gesamten Region nicht – Platz dafür wäre ausreichend vorhanden.
Besonders spannend: Die ESC Nyamagabe liegt zentral, gut erreichbar für viele umliegende Schulen. Ein Sportplatz an diesem Ort könnte einer ganzen Region zugutekommen.
Wir haben Sportequipment als kleine Unterstützung dagelassen – und sind mit dem Gefühl gegangen, dass dies kein einmaliger Besuch bleiben wird.
Zwei sportliche Stopps – Leidenschaft verbindet
Zwischendurch wurde natürlich auch selbst gespielt.
Wir traten an der GS Nyamagabe gegen eines der besten Mädchenteams Ruandas an. Großer Sport, viel Tempo – und freundlicherweise ein kleines bisschen Rücksicht auf uns Gäste. Es war ein fröhlicher, herzlicher Austausch. Wir wünschen euch weiterhin viel Erfolg bei den kommenden Landesmeisterschaften.
Handball Africa Cup 2026 – Kigali als Kontrast
Eine andere Welt zeigte sich beim Besuch des Handball Africa Cups 2026 in der BK Arena in Kigali.
Eine moderne Multifunktionsarena im Herzen der Hauptstadt, großartige Stimmung und hochklassiger Sport. Ägypten wurde seiner Favoritenrolle gerecht und krönte sich zum Champion. Ruanda zeigte starke Spiele und belegte am Ende Platz 12.
Besonders stolz macht uns der Weg unserer Partner der Gorilla Handball Academy:
Anaclet ist inzwischen Co-Trainer der Nationalmannschaft, Alfred Präsident des ruandischen Handballverbandes.Was vor Jahren auf einem einfachen Platz begann, hat heute internationale Strahlkraft.
OSO – Bildung, die Selbstbestimmung schafft
Im Norden Ruandas, im Gakenke District, besuchten wir OSO – Our Sisters’ Opportunity.
Hier begegneten wir jungen Frauen voller Leidenschaft und Überzeugung. OSO schafft durch Bildung, wirtschaftliche Stärkung und gesellschaftlichen Wandel nachhaltige Perspektiven für junge Frauen aus ländlichen Regionen.
Im einjährigen, akkreditierten Ausbildungsprogramm der Creative Design Academy erwerben die Teilnehmerinnen nicht nur fachliche Kompetenzen, sondern entwickeln Selbstvertrauen und unternehmerische Fähigkeiten. Viele gründen eigene Unternehmen, schließen sich zu Kooperativen zusammen oder arbeiten in Ruandas wachsender Mode- und Designbranche.
Darüber hinaus engagiert sich OSO in Programmen zur Prävention geschlechtsspezifischer Gewalt und stärkt langfristig die gesellschaftliche Stellung von Frauen.
Wir sind beeindruckt – und freuen uns auf mögliche gemeinsame Projekte in der Zukunft.
OASIS – Home Sweet Home
Die Gorillas sind innerhalb Kigalis umgezogen. Der neue Platz ist kleiner als der alte in Kimisagara – aber mindestens genauso lebendig.
Mit unermüdlichem Einsatz, guter Laune und positiver Energie entsteht hier täglich ein sicherer Ort für hunderte Kinder. Sport, Musik, Gemeinschaft und Verpflegung – ein Ort, der Perspektiven öffnet.
Im Rahmen des Africa Cups lud Alfred zudem die französische Handballföderation ein. Gemeinsam zu spielen, Ideen auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen, hat große Freude gemacht. Vielleicht entstehen hier neue Kooperationen – wir sind offen.
Was bleibt
Diese Reise hat erneut gezeigt, wie wichtig langfristige Beziehungen sind.
Projekte wachsen nicht über Nacht. Aber wenn Vertrauen, lokale Verantwortung und gemeinsame Visionen zusammenkommen, entsteht nachhaltige Veränderung.
Stephan hat auf seiner ersten Reise erlebt, was never play alone bedeutet: nicht nur Infrastruktur bauen, sondern Gemeinschaft stärken.
Wir sind dankbar für jede Begegnung, jedes Lächeln, jedes Wiedersehen.
Und wir wissen: Wir kommen wieder.
Gemeinsam weitergehen
All das, was wir in diesen Tagen sehen durften, ist nur Dank vielen Menschen möglich, die unsere Arbeit unterstützen.
Ob Sportplatz, Mädchenhaus, Workshops oder neue Projektideen in Nyamagabe – jede Spende hilft, konkrete und nachhaltige Veränderungen zu ermöglichen.
Wenn ihr unsere Arbeit unterstützen möchtet, freuen wir uns über eure Spende oder darüber, dass ihr unsere Projekte weitertragt und sichtbar macht.
Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche in Ruanda Sportplätze, Bildungschancen und Perspektiven erhalten.
Denn: Wenn viele kleine Menschen an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können sie die Welt verändern.